Was 15 Jahre in Spa- und Beauty-Häusern mich über Schlaf gelehrt haben
Wenn man fünfzehn Jahre lang Frauen auf eine Liege legt, lernt man, woran man eine Schlafstörung erkennt, bevor die Klientin etwas sagt. Sie kommt am Donnerstagabend nach der Arbeit. Sie ist nicht müde, sie ist anders müde. Die Hautstruktur am Hals ist dünner als sonst. Die Schultern sind hochgezogen, nicht aus Stress, sondern aus Gewohnheit. Wenn ich ihr das Gesicht reinige, bemerkt sie es kaum. Es gibt diese spezielle Art von Erschöpfung, die nicht Schlafmangel ist und doch alles damit zu tun hat. Ein Schlaf, der formal lang genug ist, aber nichts mehr macht. Niemand spricht darüber im ersten Termin. Im fünften Termin spricht jeder darüber. Was ich daraus gelernt habe, ist banal. Schlaf ist die billigste Behandlung. Sie kostet nichts, sie wirkt überall, und sie ist genau das, was wir an einem Donnerstagabend am wenigsten ernst nehmen.