Was meine polnische Großmutter über Fermentation wusste
Meine Großmutter hat in einem Dorf an der polnischen Ostsee gelebt, das es heute nicht mehr so gibt wie ich es kenne. Sie hatte einen Keller mit drei Steinguttöpfen, je einen für Sauerkraut, eingelegte Gurken und einen für irgendetwas Fermentiertes auf Rote-Bete-Basis, das ich nie identifizieren konnte und das im Winter in der Suppe landete. Was sie machte, war kein Hobby. Es war das, was man tat, wenn man keinen Kühlschrank für sechs Monate Winter hatte und keine Vitamine aus dem Supermarkt. Heute, fünfzig Jahre später, kommt das, was sie selbstverständlich konnte, als Gut-Health-Trend zurück, in Glasflaschen für neun Euro fünfzig pro Liter. Mich macht das müde, und mich macht es manchmal sentimental. Wenn ich diesen Eintrag schreibe, schreibe ich gegen die Müdigkeit an.