Schönheit von innenEriceira · März 20268 Min

Vom Beauty-Counter zur Ernährungspraxis: meine Ausbildung an der AKN

Vom Beauty-Counter zur Ernährungspraxis: meine Ausbildung an der AKN

Es gab keinen Moment, an dem ich von der Kosmetik zur Ernährung gewechselt habe. Es gab fünfzehn Jahre, in denen ich auf eine Frage immer wieder dieselbe Antwort gegeben habe, und mir irgendwann klar wurde, dass sie eigentlich woanders hingehört.

Ich habe meine Berufsausbildung 2010 in Hamburg gemacht, staatlich anerkannte med. Kosmetikerin. Das ist eine deutsche Ausbildung mit zwei Wurzeln. Hautanatomie, Mikrozirkulation, einfache Pathologie auf der einen Seite. Tagesgeschäft auf der anderen. Im Tagesgeschäft kommt eine Frau auf dich zu und sagt: Meine Haut spielt verrückt, was machen wir? Und du beantwortest die Frage so gut du kannst.

Zwischen 2010 und 2025 habe ich diese Frage in vier Sprachen, in fünf Ländern und in Häusern beantwortet, deren Namen man nicht erfinden kann. Nivea Haus in Hamburg. L'Occitane. LVMH Benefit. Spa Group Europe in der Elbphilharmonie. Heute Cosmo Beauty Brand House, Berlin. Es ist eine Industrie, die ich kenne, und ich kenne sie gut genug, um zu wissen, was sie kann und was nicht.

Was sie kann

Sie kann eine Haut, die irritiert ist, beruhigen. Sie kann eine Frau, die seit Wochen schlecht schläft, für anderthalb Stunden in einen Zustand bringen, in dem ihr System endlich runterregeln darf. Das ist nichts Kleines. Das ist eine echte therapeutische Funktion. Wer in einem Spa gearbeitet hat, weiß, was ein Mensch alles vor sich her trägt, bis er sich auf eine Liege legt.

Was sie nicht kann

Sie kann nicht erklären, warum die Haut Donnerstag um vier Uhr wieder durchdreht. Sie kann nicht beantworten, warum die Frau, die seit fünf Jahren jede anständige Routine probiert hat, nicht weiterkommt. Sie kann nicht den Schlaf reparieren, die Hormone, die Verdauung, den Stress. Sie kann es spüren, sie kann es benennen, und sie kann den Kunden gut nach Hause schicken. Mehr nicht.

Diese Lücke war für mich, je länger ich in der Branche war, weniger zu ignorieren.

Warum die AKN

Ich habe lange überlegt, was die richtige Brücke ist. Heilpraktikerin: zu groß, falsche Domäne, in Portugal nicht zugelassen. Ökotrophologie: zu akademisch, falscher Zeitpunkt (mein Kind war damals neun). Ein US-Zertifikat: zu losgelöst von der deutschsprachigen Sprache, in der ich arbeiten will. Die Akademie für Komplementäre Naturheilverfahren in Luzern war für mich die nüchternste der Möglichkeiten. Eine schweizerische, deutschsprachige Ausbildung, die Fachberaterin für holistische Gesundheit ausbildet, mit einem Curriculum, das sich nicht entschuldigt. Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie, Ernährungslehre, Mikronährstoffe, Stoffwechsel, Hormonsystem, Verdauung, Stressphysiologie.

Es ist keine Heilausbildung. Ich darf keine Diagnose stellen, keine Krankheit behandeln, keine Therapie ersetzen. Das ist mir wichtig zu sagen. Auch hier, weil im Internet zu viele Menschen so tun, als wären sie etwas, was sie nicht sind. Was ich darf: Erwachsene auf dem Weg zu einer Ernährung und einem Alltag begleiten, die sie über Jahrzehnte tragen.

Was die Ausbildung tatsächlich war

Online-Module über zwei Jahre, plus Präsenzwochen in Luzern, plus mündliche und schriftliche Prüfungen, plus zwei Fallarbeiten an realen Klientinnen unter Supervision. Die anstrengendste Phase waren die Pathophysiologie-Module: endokrine Achsen, Verdauungsregulation, autoimmune Grundlagen. Ich habe in meinem Berufsleben noch nie so viel Anatomie gelernt. Und ich habe gemerkt, was mir vorher gefehlt hat. Ein gemeinsames Vokabular mit den Ärzten und Coaches, mit denen meine Klientinnen ohnehin schon arbeiten.

Was sich für mich verschoben hat

Drei Dinge.

Erstens, die Reihenfolge der Fragen. Vor der AKN habe ich am Anfang eines Gesprächs gefragt, was jemand isst. Nach der AKN frage ich, wie jemand schläft, sich bewegt, sich erholt. Das Essen kommt fast immer von alleine, etwa eine Stunde später, mit weniger Drama.

Zweitens, die Disziplin der Grenzen. Ich sage heute viel früher das gehört zur Ärztin. Eine Schilddrüse, die wackelt. Eisenwerte, die kippen. Eine wiederkehrende Magenentzündung. Das sind nicht meine Themen. Ich kann die Lebensgestaltung drumherum mitdenken, mehr nicht.

Drittens, das Vertrauen in das Einfache. Wer sechs Jahre Ausbildung macht (drei in der Kosmetik, zwei in der AKN, eine in den Sprachen Portugiesisch und Spanisch) hat danach merkwürdigerweise weniger Lust auf komplizierte Ansagen. Was bei den meisten meiner Klientinnen den Unterschied macht, ist nicht das exotische Lebensmittel, das sie noch nicht kennen. Es ist die viertel-Stunde, die sie morgens nicht mehr am Handy verbringen. Das ist banal. Es ist auch das, was hält.

Was die Praxis heute ist

Klein. Sehr klein. Ich arbeite tagsüber weiter in der Beauty-Branche. Die Praxis läuft im Hintergrund, durch Empfehlung, einzelne Gespräche, oft auf Portugiesisch oder Englisch. Mein Tempo ist langsam. Meinen klinischen Muskel will ich behutsam aufbauen, nicht aus dem Marketing füttern.

Deshalb steht hier auf dieser Seite kein Paket, keine Warteliste, kein Pricing. Hier steht ein Schreib-Formular und ein Journal. Wer mich braucht, schreibt mir. Der Rest passiert nicht auf einer Webseite.